Verfasst von: keezrha | 04/11/2009

Gegen Allergie die Pille(n)

Entgeistert starre ich auf die Tabletten, die sie nimmt: zwei Stück, jeden Abend, längliche Kapseln, eine hellbraun, die andere, ich meine nicht richtig zu sehen, schwarzgelb wie eine aggressive Wespe gefärbt.

Ob das gesund sein kann?

Argwöhnisch nehme ich die Packungen zur Hand, lese: Kumsan Ginseng (das sind die Wespenpillen), Kapseln gefüllt mit Ginsengwurzelpulver, hilfreich gegen Müdigkeits- und Schwächegefühl, bei nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Ein goldener Drache schwingt sich vor grünem Hintergrund. Ich erfahre, dass Kumsan Ginseng nicht gleich Ginseng ist – es ist etwas anderes, etwas Besonderes, etwas, dass man seltener bekommt. Daher wohl auch die Lieferengpässe.

Die andere Packung, die mit den hellbraunen Kapseln, verrät Propolis als ihren Inhalt. Zur Stärkung der Abwehrkräfte. Hochdosiert, nur 1 Kapsel täglich.

Ich fühle mich seltsam, lasse mir von ihr erklären, dass das nur „Gelatine“ ist, dass sich die Kapseln im Magen auflösen und die Wirkstoffe freigeben. Man muss viel trinken, wenn man sie einnimmt. Sie hat zu Leber- und Gallentee gegriffen, „das wird für diese Kur empfohlen“. Aha. Eine Kur also? Habe ich etwas verpasst, während ich weg war? Und: war ich so lange abwesend, dass hier alle verrückt werden?

Zu meiner Beruhigung muss ich gestehen: sie wirft nichts chemisches ein. Nichts von diesen künstlichen Wirkstoffen, die diese Welt im Übermaß produziert. Doch auch sie ist ein Kind dieser künstlichen Welt: die Pillen und der Tee sind eine Kur gegen Heuschnupfen, die Pollenallergie, die sie alljährlich im schönen Frühsommer quält, wenn die Blumen im Wind nicken.

„Es sind die Gräser“, sagt sie, „ich muss ständig niesen, bekomme knallrote Augen, der Gaumen juckt – der GAUMEN juckt, stell dir das vor, Ashreel! Es ist ekelhaft, man kommt nicht richtig dran, und die Zunge ist ganz wundgescheuert, so sehr versucht man, dieses Jucken zu beenden…“ Beruhigend tätschle ich ihre Schulter, während sie weiter schimpft und traurig darüber ist, dass sie den Sommer nie richtig genießen kann. „Ständig habe ich Angst, einen „Anfall“ zu bekommen. Diese Kur probiere ich jetzt zum ersten Mal aus, drei Monate lang jeden Tag je eine der Kapseln schlucken, dazu den Tee schlürfen, am besten eigentlich den ganzen Tag lang.“

Wenn es den Heuschnupfen tatsächlich lindert, so soll es ihr und mir wert sein. Mir persönlich jedoch ist diese Allergie fremd. Vielleicht wachsen die Kinder dieser Welt zu behütet auf, sie werden vielleicht ein wenig zu sehr von Mutter Natur ferngehalten, aus Angst, sie könnten sich Krankheiten einfangen. Doch gerade das „Wühlen im Dreck“, das tägliche Draußen-Spielen, das ist es, was „abhärtet“, was Allergien vorbeugt und das Immunsystem stärkt.

Nun also kämpft sie mit natürlichen Mitteln gegen eine unnatürliche Krankheit. Wenn das mal kein Vorbild ist. Ich bin ein klein bisschen stolz auf sie und denke mir, dass noch nicht alles verloren ist, dass viele Menschen ihre Wurzeln noch nicht ganz vergessen haben. Viel Glück wünsche ich ihr, und das von ganzen Herzen!

Verfasst von: keezrha | 12/10/2009

die Witterdrachen

Witterdrachen
spielen, lachen,
und ihre Flügel blasen Sturm.

Witter- oder auch Gewitterdrachen sind verantwortlich für Blitz und Donner.
Witterdrachen bekommt ein Mensch niemals zu Gesicht, nur den Vögeln sollen sie einstmal erschienen sein und auch nur die mutigsten Vögel wagen sich bei Unwetter aus ihrem Schutz (u.a. auch die Todesbotin, die Taube).

Daher gibt es so gut wie keine Aufzeichnungen oder Berichte über Witterdrachen; jedenfalls sind mir keine geläufig. Was ich jedoch aus gut gehüteten Quellen herausfinden konnte, will ich euch nicht vorenthalten :)

Es heißt, Witterdrachen seien mächtige, flinke, schlanke Wesen, Schlangen nicht unähnlich, mit riesigen Flügeln. Das unterscheidet sie von den „herkömmlichen“ Drachen, die allesamt bekanntermaßen über ein Bein- und ein Flügelpaar verfügen.
Sie werden meist weiß, hellgrau oder bleichfarben dargestellt. Es heißt, sie leben ihr Leben lang in den Sphären weit oberhalb der Wolken, ernähren sich nur von Wolken, Schnee- und Eiskristallen.
Wie alt sie werden können, ob sie je überhaupt sterben oder Nachwuchs haben können, das ist eines der vielen Geheimnisse, die sich um die Witterdrachen ranken.

Einig sind sich aber alle Augenzeugen:

Wenn Witterdrachen herauskommen, um miteinander zu spielen, zu balgen und die Erde zu necken, dann drehen sie Kapriolen in den Wolken und lassen diese dadurch unmögliche Formen annehmen.
Die Flügel der Witterdrachen verursachen einen wahren Sturm, wenn sie sich gegenseitig jagen. Der aufkommende Wind kündigt auch meist ihr Kommen frühzeitig an. Ihr Lachen ist der Donner und ihr Feuer, mit dem sie sich selbst, den Himmel über ihnen und die Erde unter ihnen necken, die Blitze. Bisweilen trifft das Feuer die Erde selbst, setzt Bäume, Gebäude oder gar Erdlebewesen in Brand.
Darum sorgen Wasser- und Wolkenelemente meist dafür, dass einhergehend mit der „Spielstunde der Drachen“ Regen fällt, um größere Unfälle abzuwenden. Doch launisch wie sie nun einmal sind, lassen sie den Witterdrachen auch mal ihr Vergnügen.

Verfasst von: keezrha | 02/10/2009

Tierversuche?! Nein Danke!

Verfasst von: keezrha | 11/09/2009

Und der Herbst beginnt

Und mit Wehmut seh’n wir zu, wie die Schwalben weiterzieh’n.

Laub, das sich färbt. Korn und Obst ist reif. Mutter Natur gewandet sich in Rot, Bronze und Gelb, ihr langsam ergrauendes Haar schwebt als Spinnwebe durch die goldgetränkte Luft.

Vorbereitungen für den Winter werden getroffen. Die Sonne scheint noch stark, doch im Schatten ist’s kühl. Die Felder, Wiesen und Wälder atmen die schwüle Sommerhitze aus und die erfrischenden Herbstnebel ein.

autumn-leavesHerbstlied

Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche mit Streifen
Rot und weiß bemalt.

Sieh! Wie hier die Dirne
Emsig Pflaum und Birne
In ihr Körbchen legt,
Dort mit leichten Schritten
Jene goldnen Quitten
In den Landhof trägt!

Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondenglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Deutschen Ringeltanz

Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis, (1762 – 1834)

swallows

Verfasst von: keezrha | 30/08/2009

Holunder – der heilige Baum

schwarzer-holunderSchwarzer Holunder – er trägt hier viele Namen: Flieder, Holler, Holder, Elder, Alhorn, Kelkenbusch.

Der Strauch scheint die Nähe der Menschen zu suchen. Er blüht an Weges- und Waldrändern, erreicht neben alten Häusern stattliche Ausmaße von bis zu 10 m und es heißt, er käme von allein in den Garten. Entsprechend geehrt und geachtet wurde der Holler. Zwar sind seine Grünteile und rohen Beeren leicht giftig, sie verursachen Brechreiz bei übermäßigem Verzehr, doch finden seine Blüten und reifen gekochten Beeren vielerlei Anwendung sowohl in der Küche, in der Heilung als auch in der Magie.

Blütezeit beträgt, je nach Witterung, Mai-Juni, die schwarzen Beeren gibt es August-September.

Jedes Jahr freut man sich darauf, die vitaminreichen Beeren des Hollers einsammeln zu können. Die großen roten Dolden tragen schwer an tiefschwarz glänzenden prallen Früchten; eine Verwechslung mit dem gifitgeren Zwergholunder ist möglich, der allerdings nur eine Höhe von etwa 2 m erreicht.
Mithilfe einer Gabel entfernt man die Beeren von den Rispen.
Hollersaft hilft bei Erkältung und Fieber, er stärkt das Immunsystem und wirkt blutreinigend.

Eine besonders leckere Darreichungsform von Hollersaft ist die Hollermilch:
2 Teile Milch, 1 Teil Hollersaft, gesüßt je nach Geschmack mit Ahornsirup, Honig oder Cranberrysirup

Viele Informationen, Magisches und leckere Rezepte gibt es bei heilkräuter.de, viele Geschichten bei naturheilkunde-online.de und noch mehr Rezepte bei chefkoch.de

Der Holler war von jeher ein Strauch, dem man Respekt entgegenbringt, nicht nur wegen seiner bekannten Heilwirkung, sondern auch, weil er ein Zuhause für Göttinnen ist und böse Geister vom Heim fernhält.
Einen Holler fällt man nur, wenn es nicht anders geht, und in solch einem Fall entschuldigt man sich bei ihm.
Unter seinen Ästen werden Opfergaben dargebracht; er erhielt seinen Namen von der Fruchtbarkeitsgöttin Holla (auch Holda oder, noch bekannter, „Frau Holle“).

Im englischsprachigen Raum heißt der Baum „Elder“, eine Verballhornung aus dem Anglo-Sächsischem „aeld“, was „Feuer“ bedeutet. Ausgehöhlte junge Zweige wurden dazu benutzt, ein Feuer zu entfachen, daher erhielt der Baum auch den Namen „Pipe-Tree“, Pfeifenbaum.

Shakespeare nannte den Holler „stinkender Elder“, was auf den für manche Menschen unangenehmen Geruch der Blüten zurückzuführen ist.

Weiterführende Informationen liefert botanical.com, englischsprachig und sehr ausführlich.

Verfasst von: keezrha | 16/08/2009

Für die heißen Sommertage

Eine kleine Abkühlung für Heiße-Sommertags-Geplagte wie mich, wenn der Blutdruck ungebremst in den Keller rutscht *lächel*

EisbergDer Sahne-Eisberg vom Snæfellsjökull

Verfasst von: keezrha | 10/08/2009

Gäste an der Haustür I

BraunerBaer

Diesen lieben Nachtfalter fand ich heute neben der Haustür. Er kam mir schon einmal zu Gesicht, doch dieses Mal konnte ich mir KeezRha schnappen und sie bitten, ein Foto des Braunen Bären zu machen.

Leider sieht man nicht seine leuchtend roten Unterflügel, die er bei Gefahr plötzlich aufklappt, um seine Freßfeinde zu erschrecken und zu verwirren. Dennoch, auch die braun-creme gemusterten Oberflügel sind hübsch anzusehen.

Der Braune Bär ist ein Schmetterling (eher: Nachtfalter) aus der Familie der Bärenspinner, doch da ich so oder so kein Freund von Kasten und Schubladen-in-die-man-was-reinstecken-kann bin, tendiere ich eher dazu, dass der Braune Bär einfach nur – schön ist.

Ob der Nachtfalter mir etwas sagen will mit seinem Auftauchen, wird sich in den kommenden Tagen wohl herausstellen. Also heißt es Augen und Seele offenhalten.

Verfasst von: keezrha | 07/08/2009

Erntefest?

Ja, so wollte ich mit dem vorhergehenden Eintrag eigentlich auf das Erntefest hinweisen. Auf Mutter Natur, die uns ihre Gaben schenkt und uns ernährt. Damit wir dies nie vergessen.

Nun, die Menschen haben dies in der Tat nicht vergessen. Sie entwickelten Mittel und Wege, um die Erträge der Ernten zu erhöhen. Sie schütteten erst Dung auf die Felder, dann kamen neu gezüchtete Sorten, schließlich die Chemie.
Alles, was nicht Getreide war, wurde verbannt von den Feldern. Alles, was andere Lebwesen als den Menschen nährt, wurde konsequent vernichtet.

Wenn ich heute über die Felder der Menschen blicke, sehe ich: den Tod. Die goldenen Halme wiegen sich im Wind, ihre Köpfe tragen schwer am vollen Korn. So weit das Auge reicht, breiten sich rechtwinklige gerade Felder, wie mit dem Lineal geschnitten, vor mir aus. Dazwischen: ein paar verhuschte Sträucher. Ein Baum. Ein kleines Wäldchen.

Sonst nichts.

Wo sind all die Kornblumen, die blau leuchtenden? Die roten Farbkleckser des Mohn? Stachelbewehrte Disteln? Kamille und Margherite?

So prall und verführerisch die Felder auch aussehen, sie ernähren nur den Menschen. Alle anderen haben das Nachsehen.

Verfasst von: keezrha | 05/08/2009

Erntefest

Erntedank

Täler grünen, Hügel schwellen,
buschen sich zu Schattenruh,
und in schwanken Silberwellen
wogt die Saat der Ernte zu.
Goethe

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.
Morgenstern

Verfasst von: keezrha | 22/07/2009

Am Fuße des Berges

AmFußeDesBerges

Wir könnten am Fuße des Berges leben
Wir könnten ein Stückchen Garten anlegen
Ein Haus am Fuß des Berges bauen
Wir könnten dort bleiben und nie mehr zurückkommen

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